Autohaus Holst. Ausgezeichnet.

Nominiert für den Niedersächsischen Wirtschaftspreis: Autohaus Holst

4. Niedersächsischer Wirtschaftspreis Mittelstand und Handwerk
Althusmann: Erfolg bei der Gewinnung von Fachkräften hohes Gut für Unternehmen und niedersächsische Wirtschaft



Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann hat heute in Hannover den 4. Niedersächsischen Wirtschaftspreis Mittelstand und Handwerk verliehen. Im Mittelpunkt standen in diesem Jahr mittelständische Unternehmen und Handwerksbetriebe, die bei der Gewinnung von Fachkräften besonders erfolgreich waren.


In der Kategorie Mittelstand wurde das Vermessungs- und Sachverständigenbüro Dipl.-Ing. Ehrhorn aus Achim ausgezeichnet. Das Unternehmen überzeugte die Jury durch die konsequente und vorbildliche Umsetzung eines nachhaltigen und strategischen Managementinstruments und durch die aus Sicht der Beschäftigten besonders vertrauenswürdige und wertschätzende Arbeitsplatzkultur. In der Kategorie Handwerk konnte sich die Otto Künnecke GmbH aus Holzminden nach der Nominierung in 2015 in diesem Jahr als erster Sieger durchsetzen. Die Jury würdigte hier die Betriebskultur, die vorhandene Standortnachteile durch eine besondere Familienfreundlichkeit und herausragenden Teamgedanken zu kompensieren versteht. Dazu zählen die zahlreichen Perspektiven und Chancen, die sich nach der Ausbildung für die Mitarbeiter bieten und ihnen damit eine stetige Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten im Beruf sichert.


Minister Althusmann: „Unser niedersächsischer Mittelstand und das Handwerk, allen voran die diesjährigen Preisträger, zeigen mit innovativen und umfassenden Konzepten, dass sie sich der Herausforderung des Fachkräftemangels stellen. KMU müssen hier oft andere Mittel und Wege finden als Großunternehmen. Umso mehr freut es mich, dass in dem diesjährigen Wettbewerb Lösungen mit Vorbildcharakter für dieses für die Wirtschaft wegweisende Thema präsentiert wurden. Die niedersächsische Wirtschaft ist stark von kleinen und mittleren Betrieben geprägt, der Mittelstand und das Handwerk sind das Rückgrat für unsere Wirtschaft. Erfolgreiche Maßnahmen zur Gewinnung von Fachkräften für KMUs sind somit unabdingbar für den Erfolg der Unternehmen selbst, aber auch für die niedersächsische Wirtschaft als Ganzes.“


In den vergangenen Monaten konnten sich mittelständische Unternehmen und Handwerksbetriebe aus ganz Niedersachsen beim Wirtschaftsministerium für den Wirtschaftspreis bewerben. Eine Jury aus fachkundigen Expertinnen und Experten wählte aus den eingegangenen Bewerbungen jeweils drei Unternehmen aus den Bereichen Mittelstand und Handwerk aus. Weitere nominierte Unternehmen sind in der Kategorie Mittelstand Hotel Peter aus Wingst und die pds GmbH aus Rotenburg (Wümme), in der Kategorie Handwerk das Autohaus Holst aus Scheeßel und die Strehl GmbH & Co. KG aus Bremervörde.


In der Jury saßen Vertreter der Industrie- und Handelskammer Niedersachsen (IHKN), der Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN), der Unternehmensverbände Handwerk (UHN), der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen (LHN), der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit sowie der Demografieagentur für die Wirtschaft GmbH.


(Quelle: Presse-Info vom Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung vom 24.10.2018)

Herausforderung Integration

Heide Holst und Torsten Meyer werden für vorbildliches Engagement in der Nachwuchsförderung ausgezeichnet

SCHEESSEL Als sich am Mittwoch allerlei „Offizielle“ im Autohaus Holst trafen, war der, um den es ging, gerade in der Berufsschule. Die Integration von Bilal Hesso, einem 21-jährigen Syrer, in den Ausbildungsmarkt ist für Dagmar Kay Rieke vom Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit, Presseprecherin Susanne Serbest und Gerhard Strübel, Bereichsleiter der Agentur für Arbeit Stade ein guter Grund, das Traditionshaus mit einem Ausbildungszertifikat für besonderes Engagement in der Nachwuchsförderung zu ehren.

Das Ehepaar Heide Holst und Torsten Meyer hatte dem Flüchtling, der mit seiner 2015 nach Deutschland gekommen war und seitdem in Punkto Sprache, Ehrgeiz und Eingliederung quasi eine Bilderbuchkarriere hingelegt hatte, nach einem Praktikum eine Ausbildung zum Kraftfahrzeug-Mechatroniker ermöglicht. „Eine Herausforderung“, weiß Geschäftsinhaberin Heide Holst – aber eine, die sich für den Traditionsbetrieb lohnt, auch wenn die Ausbildung jedes Azubis laut einer Berechnung des Landesinnungsverbands 50.000 kostet.


Mehr als 200 Lehrlinge hat der Traditionsbetrieb seit seiner Eröffnung 1963 ausgebildet, darunter alle drei Jahre einen, „der auf den ersten Blick durchs Raster fällt“. Der Ausbildungsvertrag mit Bilal Hesso sei allerdings erst nach Rücksprache mit den Mitarbeitern erfolgt: Sie müssten schließlich die Mehrarbeit durch Einarbeitung leisten. Testballon für die Haltung der Belegschaft sei 2015 eine Spendenaktion für die Flüchtlingshilfe gewesen; vereinzelte Vorbehalte wurden in persönlichen Gesprächen ausgeräumt, „Das war durchaus mühsam!“, gibt die Firmenchefin zu.


Und sie macht auch keinen Hehl aus möglichen Problemen administrativer, aber auch kultureller Art, auf die sie sich bei Fortbildungen und Vorträgen vorbereitet hat. So fand der junge Syrer in der Chefin nicht nur stets ein offenes Ohr für Probleme, beispielsweise in punkto Behördengängen, sondern auch praktische Hilfe: Holst organisierte einen lybischen Kfz-Mechaniker aus Tostedt, der Nachhilfe in punkto Fachvokabular geben sollte. Der Tosteder war von Pragmatismus und Altruismus der Geschäftsinhaberin so angetan, dass er sich gleich selbst bewarb – eine ideale Hilfe für den Auszubildenden Bilal, der in zwischen sein zweites Lehrjahr abschließt.


So viel Umsicht und Engagement ringt der auch der Agentur für Arbeit in Stade Respekt ab: Sie zeichneten das Autohaus Holst als einen von sechs Betrieben und dem einzigen im Landkreis für sein Engagement aus. Bereits seit sechs Jahren werden so die Bemühungen von Unternehmen honoriert, die Jugendlichen eine Chance geben, die „auf den ersten Blick durchs Raster fallen“, so Serbest. Bereits zum zweiten Mal liegt der Fokus auf der Integration von jungen Menschen mit Migrationshintergrund. Sie werden – wie Bilal – auch durch flankierende Maßnahmen wie umfassende Nachhilfe in Sprache und Fachvokabular sowie die Gestellung eines Coaches, der die kulturellen Unterschiede überbrücken hilft.
Dabei ist die Integration von Jugendlichen für das Ehepaar Meyer/Holst keineswegs Neuland – bereits in der Vergangenheit nahmen sie sich bewusst immer auch derer an, die nicht auf den ersten Blick optimale Bewerber abgeen. Dabei gehen sie auch heute eher ungewöhnliche Wege, vom Gespräch mit den Eltern bis zum „Klartext“-Gespräch mit Betroffenen. Auch im aktuellen Fall sei nicht immer alles glatt gelaufen: „Manchmal muss man schon deutlich machen, wie es hier so läuft“, so die resolute Scheeßelerin pragmatisch.


Dabei wollen Heide Holst und Gatte Rauch Vorbild für andere Unternehmer sein: Anfragen von anderen Betrieben beantworten sie gern; beim jüngsten Mittelstandsforum, das in Kooperation mit der Sparkasse jährlich abgehalten wird, luden sie die Referentin Dunja Sabra als Integrationsexpertin ein. „Kopftuch für viele erstmal befremdlich“, so Holst, „die meisten haben aber was mitgenommen.“
Die ausgezeichneten Betriebe haben es nicht immer leicht, weiß Pressereferentin Serbest: „Nicht nur die Mitarbeiter wollen überzeugt und mitgenommen werden, sondern auch die Kunden,“ In einem Bäckereibetrieb in Tostedt hätten Kunden sich wiederholt negativ zur Beschäftigung von drei Schwarzafrikanern geäußert.“ Solche Anfeindungen duldet Holst nicht; allerdings gelte dies nicht nur extern, sondern auch intern: Der Diskriminierung ausländischer Mitarbeiter tritt sie genauso vehement entgegen wie Respektlosigkeiten gegenüber von Frauen durch andere kulturelle Werte und Weltbilder.

(Quelle: Rotenburger Kreiszeitung vom 20.06.2018

1) Regionale Auszeichnung im Rahmen einer Kundenzufriedenheitsbefragung im Auftrag der Volkswagen AG im Jahr 2016.